WORTE

Das Schatzkästchen

Meine Liebe zu Dir ruht in einem kleinen Kästchen.

Ich öffne es und lasse sie fliegen.

Doch sie kehrt immer wieder zurück

weil sie zu mir gehört.

 

Mein Herz durch die Stille tragen

 

Mein Herz durch diese Stille tragen,

die der Duft des frischen Grases nach dem Regen

mit sich bringt.

 

Mein Herz durch diese laut gewordene Stille tragen,

die derjenige hinterlässt,

der Wasser, Erde, Luft und Wärme besitzt

und einteilt und verkauft

und "meins" dazu sagt.

 

Mein Herz durch die Stille

des anbrechenden Tages tragen.

 

Unsere Herzen,

alle von dieser Erde getragen.

 

Mein wissender Pumpmuskeul,

von keinem Gesetz berechenbar gemacht.

 

Mein inneres Getüm durch diese Stille tragen,

in der nur noch Liebe gilt

und du und ich miteinander verschwimmen

und deine Abwesenheit, die,

wie nach einem unfassbar lauten Trommelschlag

mein Gehör verstummen lässt.

 

Die Sterne aufheben,

welche in den Büschen ruhen,

um gefunden und gelebt zu sein.

In der Umarmung des Windes,

der uns doch alle berührt und umfasst.

 

Mein Herz durch diese Stille tragen,

wie sie im Inneren der Windhose zu finden ist, während der Sturm, das unaufhörliche Drehen

aus unseren Bewegungen entstanden ist.

Der Buckel

 

An einem Buckel Trag ich sehr

ich hab so schwer zu denken

Gekrümmt schleppt sich die Straße her

wollt von Talenten schenken

Derweil zerbricht der Länder Band

Wer hat der will, wer nicht wohl auch

Die Seele ist des Händlers Pfand

und Verlust des Krieges Bauch

Noch mehr als Tod scheu ich die Qual

Mach schnell, wer du auch immer bist

Wir sind es doch, wir und die Wahl

zu töten, lieben, die Letzte frisst

den Apfelbaum- den Mensch erschuf

klebt eine Schlang mit Nackten dran

Was glaubt ihr auch des Kuckucks Ruf

wählt stets des Diktatoren Bann.

Ach, Abgrund, nimmst du mich noch auf

Du musst doch vollgestopft schon sein

Die Fliege krabbelt übern Hauf

von superintelligentem Seim.

 

WORTE

Babel

 

Wir lagerten unsere Fähigkeiten aus

in Bits und Bytes

wir töteten die Künste

durch Superlative verkümmernder Hirne

wir erschufen Babel unzählige Male

jedem Menschen, jeder Stadt, jedem Land sein Babel

Zerfallendes

Mord erschafft Mord

Das Unrecht lässt den Tätern weitere Taten.

 

Sternenbahn

- neden yasiyorum-

 

Ob das Blut, welches durch meine Adern fließt auf ewig gefriert

Oder auftaut, kann ich dir nicht sagen

Ich weiß lediglich, dass das Wasser in dem Bach klar ist unter dem Eis;

 

Und die Sonne

Trocknet sie nicht die grünen Blätter aus

Und gibt ihnen gleichzeitig Ziel und Bewegung?

 

Wenn ich nach dem Schönen greife

Beißt es mich in die Hand

Und tue ich es nicht

Zieht es an mir vorüber -

 

Wofür lebe ich?

 

Für den Augenblick, der mir Entzücken bereitet

Oder die Vergangenheit, welche Zukunft bedeutet:

Die Wurzel- hält sie nicht den Baum

Mit seiner Krone fest in der Erde?

 

Wir sind nicht so wie wir sind

Weil die Sterne zum Zeitpunkt unserer Geburt

Sind wie sie sind

Sondern weil wir eins mit den Sternen sind -

Und wie die Sterne, in ihren Bahnen.

 

Fotos: Arne Tigges

Lieber Kringel als Gram

Ich möchte euch von zwei Mädchen erzählen, die auf einem Fahrrad fahren, welches nur für einen Menschen konzipiert wurde. Und der Mops, ja der Mops ist männlich und sitzt im Fahrradkorb, hinter der Person, die sich abstrampelt. Daher ist es keine Geschichte über mich, damit das schon einmal geklärt ist. Sagen wir, die Fahrerin heißt Johanna –(zu meiner Zeit wäre dieser Name Auslöser für jahrelange Hänselei gewesen, aber jetzt sind alte Namen wieder in) und das andere Mädchen heißt Severine. Eigentlich sind es schon junge Frauen und keine Mädchen mehr: Johanna ist 19 und Severine 24 Jahre alt. Das Fahrrad ist grüngelb gestreift.

Severine, die Ältere, hat eine ebenfalls grüngelb gestreifte Strumpfhose an, darüber einen blauen Unterrock und ein graues Oberkleid. Auf den blonden Strubbelhaaren prangt eine rote Mütze. Johanna schmückt sich heute mit einer braunen Cordhose, langem, hellblauem Feinrippunterhemd und braunen langen Locken auf ihrem runden Gesicht.

Wer die Drei sieht, bekommt augenblicklich gute Laune oder ist ein alter Griesgram.

Vor lauter Gries und ganz eingesunken in sich, sitzt in unserer Geschichte ein alter Gram in nicht erwähnenswerter Langweilkleidung auf einer Holzbank, an der Straße, die bergab führt. Er sitzt ganz runzlig da und regte sich noch vor ein paar Minuten auf, dass jemand mit schwarzer Farbe auf die Bank sprühte. Er weiß auch nicht was gesprüht wurde, er kann es nicht lesen ob es ein Hakenkreuz ist oder „Julia liebt Jim“. Das interessiert ihn auch nicht. Die Bank ist beschmiert, die Brille nicht auf der Nase – und er war immer so stolz auf seinen Adlerblick gewesen. – Aber das – das hat er jetzt gesehen, der Alte, auch ohne Brille: zwei junge Dinger da, diese Wahnsinnigen, mit dem armen schwarzen Hund. Wenn der aus dem Korb kippt! Und überhaupt: es ist noch nicht Sommer. Und was ist das? Wollten die sich jetzt auch noch küssen? Diese langhaarigen Wilden. Das war doch aus der Mode, das langhaarige Jungen durch die Gegend streiften. Aber heute ist ja alles wieder in - dass sie sich wie Mädchen aussehen lassen! Und da kommt der Bus, die 239. Nein, dass wollte er auch nicht, dass der Bus sie fürs Küssen bestraft.

Der Bus kann glücklicherweise sofort anhalten. Johanna macht einen gekonnten Schlenker. Severine lacht und Oblomov – so heißt der Hund – denkt an die Vanillekringel in der Tasche von Severine. Den wollte er schon immer mal probieren. Wobei „immer“ gleich „heute morgen“ bedeutet, seitdem er weiß: der Vanillekringel steckt in dieser Tasche da. Und er träumt sich einen Plan, wie er daran kommt.

 

 

 

An Dich möchte ich mich gar nicht gewöhnen

Vielmehr betrachte ich Dich immer wieder

vor meinem inneren Auge

wie Du zu mir kamst

aus der Ferne des Ubekannten.

 

Unsere Schritte aus Nähe und Distanz

ertasten sich einen Tanz

der nur uns gehört.

Ich wache in jede Bewegung hinein.

 

 

Silberne Dolche

 

All die Tränen die über meine Wangen rannen

hinab zu deinen Füßen

wandten sich dort zu kleinen Schlangen

mit silbernen Dolchen und sie küssten.

All der Gram der sich um meine Beine seimte

abgeplatzt an deinem Harnisch, trotzdem keimte

all die Freude die in deinem Anblick tanzte

sich rankend um dein Herz herum – und es wetzte

soviel Zärtlichkeit die in deinen Kelch lechzte

und blinkt und winkt von dort mir zu –

kehrt nicht zurück zu mir …

All die Worte da aus meinem Mund fluteten

verebbt an deinen Augen saugend

und die Gedanken die das Sein erkennen können

verschwunden in dem Nichts – da spricht

der Wille der aus meiner Brust schoss und schloss

die Lust müdet von dir ungeträumt

kein Wort dringt zu mir in der Stille der Nacht

in der meine Kraft an dir zerbricht

 

Und dann gehe ich in einen neuen Tag

auch wenn ich ihn nicht sehen mag

und nehme diese Wut mit mir.

 

Von Kopftuch und Schürze

 

Maria trägt ein Kopftuch

und Özlem mag das auch.

Gardena schlingt ein rotes Tuch um ihren runden Bauch.

Wilfried schwört im Winter

auf `nen bunten Schal

und Slummi trifft zwischen blau und lila Schuhen seine Wahl.

 

Ich trage keine Schürze,

bekoch nicht meinen Mann –

bin ich deswegen für´s Verbot der Schürze dann und wann?

Denn jede Frau die Überstunden an nem Kochtopf macht

wird womöglich unterdrückt und von den andern überwacht.

Ob Schürze oder Kopftuch,

das ist doch schnurz wie hurz –

entscheidend ist: du hast die Wahl, das Leben ist so kurz.

Ob Mantra, Sutra, Phrase,

Knigge oder Psalm,

dir ist es wichtig, das ist klar, aus manchem Buch raucht Qualm ..

 

Ich möchte selbst bestimmen

was ich trage, was ich glaub,

daher bin ich für Diktatur´n auf beiden Ohren taub.

Lasst uns zusammentragen, was jeder gerne tut.

Mit `ner gewissen Neugier wird´s Leben einfach gut.

 

Trag du nur deine Schürze.

Ich koch für mich allein.

Dein Kopftuch das hat Würze!

Rose für´n Jungen – ist fein!

Dort beten sie zu sieben.

Ne Frau ne andre küsst:

Da möchte ich gerne leben, wo so was möglich ist.

Lasst uns zusammentragen, was jeder gerne tut.

Mit `ner gewissen Neugier wird´s Leben einfach gut.

 

Nimm deinen Buddha und geh

 

Meinst du ich kann ohne deine Tipps nicht auskommen?

Hast du nicht gewusst, dass Ratschläge auch Schläge sind?

Von deinen Worten kaum entronnen bin ich benommen

es geht um Macht – wer ist hier das Kind?

Lass mich atmen, ich will deine Regeln nicht

deine Worte sollen nicht in mein Gehirn

weißt du nicht, dass eine Innenwelt in mir spricht in

diesem Lärm – kann ich sie nicht hören.

Weißt du, dass mein persönliches Ziel nicht die Erleuchtung ist?

Jedenfalls nicht wie du es benennst –

weißt du, dass du immer weniger in meinem Herzen bist?

Und vor lauter reden das nicht erkennst …

 

Geh, ich möchte mein Herz schlagen hören

es ist das einzige was mich lässt

und wenn mich auch Worte und Dinge betören

mein Herz an dir halte ich mich fest.

 

Weißt du, dass ich dir zu nichts verpflichtet bin

dass du kein Anrecht auf mich hast?

Jemand der nur schweigt kriegt keine Beziehung hin

Doch wenn ich rede wird alles deiner Welt angepasst.

Du sagst du verstehst mich und hörst nicht hin

und holst die Rezepttüte raus

ich glaube es kittet nicht wenn wir in derselben Sekte sind

im selben Viertel, im selben Haus.

 

Geh, ich möchte mein Herz sprechen hören

ist das einzige das mich hält

und muss ich auch gewohnte Dinge entbehren

mein Herz ist es, das meine Schritte wählt.

 

Ich glaube nicht, dass nach meinem Ableben im Jenseits

Meister und Schüler sind.

Ich glaube das Leben an dem wir weben

ist nicht nur in jedem Kind –

es ist in der Frau die grade abtreibt

es ist in dem Ich-weiß-nicht-was-ich-tun-soll –

es ist in dem Mann der lieber geht als bleibt

genauso wie in Ich-hab-die Schnauze-voll.

 

Ich glaube, deine Einteilung von Gut und Böse

ist die innere Zigarette an der du saugst

du hoffst darauf, dass jemand die Welt erlöse

vielleicht dein Glaube, der viel für dich taugt.

Das hatten wir schon mal: den Irrtum, dass ein Glaube

die Welt verbindend zusammenhält und Gebote

wie beim Römer die Traube: ab in den Schlund

die Lebensröhre hinuntergeschnellt.

 

Geh – ich möchte mein Herz sprechen hören –

wenn ich meine Einsamkeit seh

so ist sie mir lieber als etwas zu betören

das nicht für mich wahr ist:

nimm deinen Buddha und geh.