WORTE

WORTE

Die blaue Murmel


Ich hab die Erde gesehen

sie war einzigartig schön

als blaue Murmel

zog sie ihre Bahn.


Ich hab unsere Erde gesehen

auf der wir alle bestehen

in dieser Dunkelheit

flog sie ihre Bahn.


Und wir suchen auf ihr

und wir tanzen auf ihr

und wir funkeln auf ihr

streiten krachend auf ihr


und wir morden auf ihr

wir in Horden auch hier

manche stehen Spalier

Glanz und Lüge und Wahn.


Ich habe die Erde gesehen

eine kleine Murmel

sie war wunderschön

gespiegelt in deinen Augen


habe ich uns gesehen

in jedem Ton der rollt

in jedem Blick der fällt

mich an.


Wir sind kleiner als ein Staubkorn

wir sind kleiner als ein Staubkorn

deine Hand in meiner Hand

und zwei mal 21 Gramm


Fell, Rinde, Haut,

Erde, Blatt und Sonnenuntergang

und 21 Gramm.


Ich habe die Erde gesehen

sie zog wunderschön

widerstrahlt hinter deinen Wimpern

ihre Bahn -

und 21 Gramm.

Was wiegt 21 Gramm?

unser Körper wird so 21 Gramm leichter,

in dem Augenblick, da wir ihn verlassen werden.


Habe ich dir heute schon gesagt

dass ich dich liebe?

Habe ich dir das heute schon gesagt

dass es  nichts Wichtigeres gibt

nichts Wichtigeres als dies:

als deine Hand in meiner

möglich durch diese 21 Gramm.

Der Buckel


An einem Buckel Trag ich sehr

ich hab so schwer zu denken

Gekrümmt schleppt sich die Straße her

wollt von Talenten schenken

Derweil zerbricht der Länder Band

Wer hat der will, wer nicht wohl auch

Die Seele ist des Händlers Pfand

und Verlust des Krieges Bauch

Noch mehr als Tod scheu ich die Qual

Mach schnell, wer du auch immer bist

Wir sind es doch, wir und die Wahl

zu töten, lieben, die Letzte frisst

den Apfelbaum- den Mensch erschuf

klebt eine Schlang mit Nackten dran

Was glaubt ihr auch des Kuckucks Ruf

wählt stets des Diktatoren Bann.

Ach, Abgrund, nimmst du mich noch auf

Du musst doch vollgestopft schon sein

Die Fliege krabbelt übern Hauf

von superintelligentem Seim.


Das Schatzkästchen

Meine Liebe zu Dir ruht in einem Kästchen.

Ich öffne es und lasse sie fliegen.

Doch sie kehrt immer wieder zurück

weil sie zu mir gehört.


Babel


Wir lagerten unsere Fähigkeiten aus

in Bits und Bytes

wir töteten die Künste

durch Superlative verkümmernder Hirne

wir erschufen Babel unzählige Male

jedem Menschen, jeder Stadt, jedem Land sein Babel

Zerfallendes

Mord erschafft Mord

das Unrecht lässt den Tätern weitere Taten.


Sternenbahn

- neden yasiyorum-


Ob das Blut, welches durch meine Adern fließt auf ewig gefriert

Oder auftaut, kann ich dir nicht sagen

Ich weiß lediglich, dass das Wasser in dem Bach klar ist unter dem Eis;


Und die Sonne

Trocknet sie nicht die grünen Blätter aus

Und gibt ihnen gleichzeitig Ziel und Bewegung?


Wenn ich nach dem Schönen greife

Beißt es mich in die Hand

Und tue ich es nicht

Zieht es an mir vorüber -


Wofür lebe ich?


Für den Augenblick, der mir Entzücken bereitet

Oder die Vergangenheit, welche Zukunft bedeutet:

Die Wurzel- hält sie nicht den Baum

Mit seiner Krone fest in der Erde?


Wir sind nicht so wie wir sind

Weil die Sterne zum Zeitpunkt unserer Geburt

Sind wie sie sind

Sondern weil wir eins mit den Sternen sind -

Und wie die Sterne, in ihren Bahnen.

 



Fotos: Arne Tigges

An Dich möchte ich mich gar nicht gewöhnen

Vielmehr betrachte ich Dich immer wieder

vor meinem inneren Auge

wie Du zu mir kamst

aus der Ferne des Ubekannten.


Unsere Schritte aus Nähe und Distanz

ertasten sich einen Tanz

der nur uns gehört.

Ich wache in jede Bewegung hinein.



  Von Kopftuch und Schürze


    Maria trägt ein Kopftuch

    und Özlem mag das auch.   

    Gardena schlingt ein rotes Tuch um ihren runden Bauch.

    Wilfried schwört im Winter

    auf `nen bunten Schal

    und Slummi trifft zwischen blau und lila Schuhen seine  Wahl.


    Ich trage keine Schürze,

    bekoch nicht meinen Mann – 

    bin ich deswegen für´s Verbot der Schürze dann und wann?

    Denn jede Frau die Überstunden an nem Kochtopf macht

    wird womöglich unterdrückt und von den andern überwacht.

 

    Ob Schürze oder Kopftuch,

    das ist doch schnurz wie hurz –

    entscheidend ist: du hast die Wahl, das Leben ist so kurz.

    Ob Mantra, Sutra, Phrase,

    Knigge oder Psalm,

    dir ist es wichtig, das ist klar, aus manchem Buch raucht  Qualm ..


    Ich möchte selbst bestimmen

    was ich trage, was ich glaub,

    daher bin ich für Diktatur´n auf beiden Ohren taub.

    Lasst uns zusammentragen, was jeder gerne tut.

    Mit `ner gewissen Neugier wird´s Leben einfach gut.


    Trag du nur deine Schürze.

    Ich koch für mich allein.

    Dein Kopftuch das hat Würze!

    Rose für´n Jungen – ist fein!

    Dort beten sie zu sieben.

    Ne Frau ne andre küsst:

    Da möchte ich gerne leben, wo so was möglich ist.

    Lasst uns zusammentragen, was jeder gerne tut.

    Mit `ner gewissen Neugier wird´s Leben einfach gut.


Du sagtest: "Hier - eine Orange."

Doch die Orange hatte ihren Duft verloren.

Du beteuertest, dass Du mich liebest,

doch durch Deine Stimme verlief ein Riss,

durch den ich meine Füsse stecken konnte.

Du ließest verlauten: "Ich bin doch da."

und erzähltest von Deinem Einkauf.

Da begann ich zu ahnen,

dass Dein Herz anderer Meinung ist.

Camille Claudel: La Valse

Silberne Dolche


All die Tränen die über meine Wangen rannen

hinab zu deinen Füßen

wandten sich dort zu kleinen Schlangen

mit silbernen Dolchen und sie küssten.

All der Gram der sich um meine Beine seimte

abgeplatzt an deinem Harnisch, trotzdem keimte

all die Freude die in deinem Anblick tanzte

sich rankend um dein Herz herum – und es wetzte

soviel Zärtlichkeit die in deinen Kelch lechzte

und blinkt und winkt von dort mir zu –

kehrt nicht zurück zu mir …

All die Worte da aus meinem Mund fluteten

verebbt an deinen Augen saugend

und die Gedanken die das Sein erkennen können

verschwunden in dem Nichts – da spricht

der Wille der aus meiner Brust schoss und schloss

die Lust müdet von dir ungeträumt

kein Wort dringt zu mir in der Stille der Nacht

in der meine Kraft an dir zerbricht


Und dann gehe ich in einen neuen Tag

auch wenn ich ihn nicht sehen mag

und nehme diese Wut mit mir.


Nimm deinen Buddha und geh


Meinst du ich kann ohne deine Tipps nicht auskommen?

Hast du nicht gewusst, dass Ratschläge auch Schläge sind?

Von deinen Worten kaum entronnen bin ich benommen

es geht um Macht – wer ist hier das Kind?

Lass mich atmen, ich will deine Regeln nicht

deine Worte sollen nicht in mein Gehirn

weißt du nicht, dass eine Innenwelt in mir spricht in

diesem Lärm – kann ich sie nicht hören.

Weißt du, dass mein persönliches Ziel nicht die Erleuchtung ist?

Jedenfalls nicht wie du es benennst  –

weißt du, dass du immer weniger in meinem Herzen bist?

Und vor lauter reden das nicht erkennst …


Geh, ich möchte mein Herz schlagen hören

es ist das einzige was mich lässt

und wenn mich auch Worte und Dinge betören

mein Herz an dir halte ich mich fest.


Weißt du, dass ich dir zu nichts verpflichtet bin

dass du kein Anrecht auf mich hast?

Jemand der nur schweigt kriegt keine Beziehung hin

Doch wenn ich rede wird alles deiner Welt angepasst.

Du sagst du verstehst mich und hörst nicht hin

und holst die Rezepttüte raus

ich glaube es kittet nicht wenn wir in derselben Sekte sind

im selben Viertel, im selben Haus.


Geh, ich möchte mein Herz sprechen hören

ist das einzige das mich hält

und muss  ich auch gewohnte Dinge entbehren

mein Herz ist es, das meine Schritte wählt.


Ich glaube nicht, dass nach meinem Ableben im Jenseits

Meister und Schüler sind.

Ich glaube das Leben an dem wir weben

ist nicht nur in jedem Kind –

es ist in der Frau die grade abtreibt

es ist in dem Ich-weiß-nicht-was-ich-tun-soll –

es ist in dem Mann der lieber geht als bleibt

genauso wie in Ich-hab-die Schnauze-voll.


Ich glaube, deine Einteilung von Gut und Böse

ist die innere Zigarette an der du saugst

du hoffst darauf, dass jemand die Welt erlöse

vielleicht dein Glaube, der viel für dich taugt.

Das hatten wir schon mal: den Irrtum, dass ein Glaube

die Welt verbindend zusammenhält und Gebote

wie beim Römer die Traube: ab in den Schlund

die Lebensröhre hinuntergeschnellt.


Geh – ich möchte mein Herz sprechen hören –

wenn ich meine Einsamkeit seh

so ist sie mir lieber als etwas zu betören

das nicht für mich wahr ist:

nimm deinen Buddha und geh.


Elysische Hochzeit


Deine Worte machen mich schön

ich werde niemals mehr von Dir gehen

Du kleidest mich in des Meeres Blau

den Atem des Himmels

das Glitzern des Tau

und das Silber der Mondin.


Ich tret in die freie Welt hinaus

späh nach dem Zeichen Deines Nahens aus

im sanften Licht Deines lächelndes Munds

begeh ich das Wagnis

ich gebe kund: ich liebe Dich.

Komm, fass mich an - zieh mich zu Dir ran

Aphrodites Kuss wird uns ein Genuss sein.

Nimm mich zur Frau, ertaste mich genau

und unsre Gestalten wandeln durch die Welten.

Komm hüll mich ein, zärtlich hüll mich ein

Deine sanfte Stimme wird ein seidnes Netz sein.

Komm, fang mich ein, fang mich nochmals ein

unsre Liebe wird ein weißes Pferd mit Flügeln sein.

Das gefallene Mädchen

                                                                          Sie hörte Menschen, welche sangen:


Ein Mädchen, gefallen jung an Jahren,       „Wir sind gefallen, jung an Jahren,

lief weit über Flur und Feld,                             liefen über Flur und Feld,

klaute Trauben auf Plantagen,                        klauten Trauben auf Plantagen,

lebte ohne Ziel und Geld.                                  lebten ohne Ziel und Geld.

 

Voll mit Ekel und mit Abscheu                    Kam kein Prinz und keine Jungfrau,

spuckten sie die Menschen an,                    niemand klagte mit uns laut.

die sie mied und ihr ward nicht neu,          unsre Welt bestand aus Grau,

dass sie keiner lieb gewann.                         unsre Seelen war´n verbraucht.

 

Und sie sprach nur zu den Tieren               Trafen uns unterm Himmelszelt,

lauschte nachts der Eule Ruf,                      erkannten uns im Spiegelbild

ließ sich von den Stimmen führen,             und was wir uns dann erzählt´

wich aus vor des Reiters Huf.                       Löste uns von unsrer Schuld.

 

Fror im Winter, litt im Regen                      Lachen, weinen, lieben zärtlich,

für das, was ihr angetan.                              Wüten stampfend, nicht verzagt,

Kam kein Retter, kam kein Segen,             singen, tanzen was so schmerzlich

kam kein Mensch und hört sie an.             andre haben uns versagt.“

 

Stumm vor Trauer, an dem Ufer

blickte sie ins Spiegelbild

und sie sah: „Es ist nicht wahr

was die anderen mir erzählt!

 

Ich bin keine Hure und ich bin nicht hässlich

aus mir schaut kein Teufel rau

ich bin schön und ihr seid grässlich

und ihr lebt in Saus und Braus . . .“

 

Ohne Hoffnung auf die Antwort

schlief sie bei dem Wasser ein.

Nur die Eule ruft hinfort:

„Bald wird alles anders sein!“

 

Am Morgen dann wird sie entdeckt,

doch nicht von der Sonn allein.

Lieder haben sie geweckt

und sie ward nicht mehr allein

Die Zeit der Haine

 

Dies ist die Musik der Haine

welche im Schrein des Gedächtnisses dieser Welt

aufgehoben ist –

wer Macht haben will, sagt:

dass seine Meinung die Einzige ist

seine Sprache die Einzige

sein Glaube der Einzige

sein Wissen das Einzige

sein Tanz und seine Musik . . .

wer Macht will, sagt:

         dass alles Andere weniger wert hat.

Doch ich, die ich mit dem Schrein verbunden bin, weiß,

dass die Musik aufersteht und stirbt

mit jedem Gesang der mit dem Schrein verbunden ist

verbunden mit dem Zuhause unserer Seelen

der Schöpfung, die uns das Leben lieh

diese Musik steht auf

und die Zeit der Haine kommt

für die Dauer ihres Gesangs.

Port du Vent

 

Hafen (Pforte) des Windes

ohne unseren Blick/ unsere Stimmen

mein Schatten schläft

von unserer Hoffnung.

 

Ich bin ein König (eine Königin)

auf die Erde gekommen

ohne Visum.

 

Dein Erdenherz

die Quelle der Worte

ich erwarte

   die Antwort des Echos.