WORTE

Cierpienie

(Hoffnung)

Deine Augen, die aus dem Foto zu mir herausschauen,

in ein anderes „Jetzt“ gebannt.

Jahre zu spät erblicke ich all das Grauen,

dass dich mit unsrer Zeit verbandt.

Ich komme zu spät Dir die Hand zu reichen,

eine Tasse von dem, was du trinken magst.

Ich komme zu spät deine Haut zu streichen

und zu dir zu eilen, wenn du nach etwas fragst.

Aus meiner Gegenwart neigt mein Ohr sich dir entgegen,

flicht dein Klang sich in meinen Lebensstrom.

Durch die dünne Glasschicht stemmt mein Herz sich im Beben

dir entgegen und läuft der Zeit davon.

Ich komme zu spät Dir die Hand zu reichen,

eine Tasse von dem, was du trinken magst.

Ich komme zu spät deine Haut zu streichen

und zu dir zu eilen, wenn du nach etwas fragst.

Siehst du den Falken dort oben schweben?

Jedem Geschöpf ist Würde einbestimmt

Die können wir einander geben,

wo wir miteinander sind.

 

Oswiecim 2010

 

Das Schatzkästchen

Meine Liebe zu Dir ruht in einem kleinen Kästchen.

Ich öffne es und lasse sie fliegen.

Doch sie kehrt immer wieder zurück

weil sie zu mir gehört.

 

Mein Herz durch die Stille tragen

 

Mein Herz durch diese Stille tragen,

die der Duft des frischen Grases nach dem Regen mit sich bringt.

 

Mein Herz durch diese laut gewordene Stille tragen,

die derjenige hinterlässt, der Wasser, Erde, Luft und Wärme besitzt und einteilt und verkauft und "meins" dazu sagt.

 

Mein Herz durch die Stille des anbrechenden Tages tragen ..

.

Unsere Herzen, alle von dieser Erde getragen.

 

Mein wissender Pumpmuskeul, von keinem Gesetz berechenbar gemacht.

 

Mein inneres Getüm durch diese Stille tragen,

in der nur noch Liebe gilt und du undi ch miteinander verschwimmen

und deine Abwesenheit, die, wie nach einem unfassbar lauten Trommelschlag mein Gehör verstummen lässt.

 

Die Sterne aufheben, welche in den Büsche ruhen, um gefunden und gelebt zu sein. In der Umarmung des Windes, der uns doch alle berührt und umfasst.

 

Mein Herz durch diese Stille tragen, wie sie im Inneren der Windhose zu finden ist, während der Sturm, das unaufhörliche Drehen aus unseren Bewegungen entstanden ist

WORTE

Ich schreibe, spreche und singe in einfachen Worten, wie auch in intellektuellem Habitus. Ich schreibe aus den unterschiedlichen Welten in denen ich lebe, an denen ich teilnehme, heraus. Ich schreibe einfach, da die Worte von Herz zu Herz sich oft einer unmittelbaren Sprache bedienen. Ich schreibe intellektuell, weil mein Anspruch an die Wirklichkeit und das Begreifen ihrer selbst komplexer ist. Ich schreibe, weil die Sprache ein Zuhause ist wie die Musik!

Liebeslied

 

Du, aus Meer und Wind

Tränen und Weisheit

sag, wo ich den Liebsten find,

der um mein stilles Herz gefreit.

 

Du, im Lieder-Atem

künd meinem Geliebten

dass seine Seele

der meinen so fehlt

erzähl ihm, dass ich ihn

von allen auserwählt.

Sag, dass ich ihm gedacht

jeder Sekunde

die ich mit ihm verbracht

trank von seinem Munde.

Nur dort bei ihm

ist mein Zuhaus

flieg, fliege hin

flieg zu ihm hinaus.

 

Liebster, weißt du,

dass Seelen reisen können?

Ohne Reiseschuh

und sie sich lang schon kennen.

Lausche der Eule,

sie ruft durch die Nacht

des Wolfes Geheule

hat meine Sehnsucht zu dir gebracht.

 

Doch deine Wärme,

kannst du nur ganz mir geben

ich fühle die Schwärme

deiner Abschiedstränen

und dass deine Seele

der meinen so fehlt

und von allen

haben wir uns erwählt.

 

Der Buckel

 

An einem Buckel Trag ich sehr

ich hab so schwer zu denken

Gekrümmt schleppt sich die Straße her

wollt von Talenten schenken

Derweil zerbricht der Länder Band

Wer hat der will, wer nicht wohl auch

Die Seele ist des Händlers Pfand

und Verlust des Krieges Bauch

Noch mehr als Tod scheu ich die Qual

Mach schnell, wer du auch immer bist

Wir sind es doch, wir und die Wahl

zu töten, lieben, die Letzte frisst

den Apfelbaum- den Mensch erschuf

klebt eine Schlang mit Nackten dran

Was glaubt ihr auch des Kuckucks Ruf

wählt stets des Diktatoren Bann.

Ach, Abgrund, nimmst du mich noch auf

Du musst doch vollgestopft schon sein

Die Fliege krabbelt übern Hauf

von superintelligentem Seim.

 

Sternenbahn

- neden yasiyorum-

 

Ob das Blut, welches durch meine Adern fließt auf ewig gefriert

Oder auftaut, kann ich dir nicht sagen

Ich weiß lediglich, dass das Wasser in dem Bach klar ist unter dem Eis;

 

Und die Sonne

Trocknet sie nicht die grünen Blätter aus

Und gibt ihnen gleichzeitig Ziel und Bewegung?

 

Wenn ich nach dem Schönen greife

Beißt es mich in die Hand

Und tue ich es nicht

Zieht es an mir vorüber -

 

Wofür lebe ich?

 

Für den Augenblick, der mir Entzücken bereitet

Oder die Vergangenheit, welche Zukunft bedeutet:

Die Wurzel- hält sie nicht den Baum

Mit seiner Krone fest in der Erde?

 

Wir sind nicht so wie wir sind

Weil die Sterne zum Zeitpunkt unserer Geburt

Sind wie sie sind

Sondern weil wir eins mit den Sternen sind -

Und wie die Sterne, in ihren Bahnen.

 

Babel

 

Wir lagerten unsere Fähigkeiten aus

in Bits und Bytes

wir töteten die Künste

durch Superlative verkümmernder Hirne

wir erschufen Babel unzählige Male

jedem Menschen, jeder Stadt, jedem Land sein Babel

Zerfallendes

Mord erschafft Mord

Das Unrecht lässt den Tätern weitere Taten.

 

 

Fotos: Arne Tigges

Lieber Kringel als Gram

Ich möchte euch von zwei Mädchen erzählen, die auf einem Fahrrad fahren, welches nur für einen Menschen konzipiert wurde. Und der Mops, ja der Mops ist männlich und sitzt im Fahrradkorb, hinter der Person, die sich abstrampelt. Daher ist es keine Geschichte über mich, damit das schon einmal geklärt ist. Sagen wir, die Fahrerin heißt Johanna –(zu meiner Zeit wäre dieser Name Auslöser für jahrelange Hänselei gewesen, aber jetzt sind alte Namen wieder in) und das andere Mädchen heißt Severine. Eigentlich sind es schon junge Frauen und keine Mädchen mehr: Johanna ist 19 und Severine 24 Jahre alt. Das Fahrrad ist grüngelb gestreift.

Severine, die Ältere, hat eine ebenfalls grüngelb gestreifte Strumpfhose an, darüber einen blauen Unterrock und ein graues Oberkleid. Auf den blonden Strubbelhaaren prangt eine rote Mütze. Johanna schmückt sich heute mit einer braunen Cordhose, langem, hellblauem Feinrippunterhemd und braunen langen Locken auf ihrem runden Gesicht.

Wer die Drei sieht, bekommt augenblicklich gute Laune oder ist ein alter Griesgram.

Vor lauter Gries und ganz eingesunken in sich, sitzt in unserer Geschichte ein alter Gram in nicht erwähnenswerter Langweilkleidung auf einer Holzbank, an der Straße, die bergab führt. Er sitzt ganz runzlig da und regte sich noch vor ein paar Minuten auf, dass jemand mit schwarzer Farbe auf die Bank sprühte. Er weiß auch nicht was gesprüht wurde, er kann es nicht lesen ob es ein Hakenkreuz ist oder „Julia liebt Jim“. Das interessiert ihn auch nicht. Die Bank ist beschmiert, die Brille nicht auf der Nase – und er war immer so stolz auf seinen Adlerblick gewesen. – Aber das – das hat er jetzt gesehen, der Alte, auch ohne Brille: zwei junge Dinger da, diese Wahnsinnigen, mit dem armen schwarzen Hund. Wenn der aus dem Korb kippt! Und überhaupt: es ist noch nicht Sommer. Und was ist das? Wollten die sich jetzt auch noch küssen? Diese langhaarigen Wilden. Das war doch aus der Mode, das langhaarige Jungen durch die Gegend streiften. Aber heute ist ja alles wieder in - dass sie sich wie Mädchen aussehen lassen! Und da kommt der Bus, die 239. Nein, dass wollte er auch nicht, dass der Bus sie fürs Küssen bestraft.

Der Bus kann glücklicherweise sofort anhalten. Johanna macht einen gekonnten Schlenker. Severine lacht und Oblomov – so heißt der Hund – denkt an die Vanillekringel in der Tasche von Severine. Den wollte er schon immer mal probieren. Wobei „immer“ gleich „heute morgen“ bedeutet, seitdem er weiß: der Vanillekringel steckt in dieser Tasche da. Und er träumt sich einen Plan, wie er daran kommt.